10 Schritte zu einer erfolgreichen akademischen Karriere

akademische_karriereWer eine akademische Karriere einschlagen möchte muss strategisch denken und handeln. Gute Noten alleine reichen dazu nicht. Es kommt darauf an fachlich, organisatorisch und menschlich die richtigen Schritte einzuleiten. In diesem Beitrag sagen wir dir, welche Schritte das aus unserer Sicht sind.

Grundstudium

1. Gute Noten

Die Grundvoraussetzung für eine akademische Karriere ist, dass du fachlich dafür geeignet bist. Als einer von hunderten von Studenten an deiner Fakultät sind Noten der einzige halbwegs objektive und vergleichbare Nachweis über deine Kenntnisse, den du bei Professoren oder anderen akademischen Stellen vorlegen kannst.

2. Kontakt zu Professoren suchen

Du wirst niemals gefördert werden, wenn es keinen gibt, der dich fördern möchte. Und niemand kann dich und deine Karriere fördern, wenn niemand dich kennt. Daher: mach dich bekannt. Gehe nach Vorlesungen zum Professor und stelle intelligente Fragen. Sei dabei aber nicht aufdringlich, schleimig und nervig sondern angenehm, höflich und ernstaft interessiert. Stelle die Frage, bedanke dich und geh weg. Aber tu das nicht jede Woche.

Du kannst ausserdem in die Sprechstunde deines Professors gehen. Hier solltest du aber die Latte noch höher setzen: nur wenn du ein wirkliches Problem hast, dass du selbst nicht lösen kannst, solltest du in die Sprechstunde gehen. Achte auch hier darauf, dass du nicht zu lange bleibst. Wenn du aber merkst, dass der Professor an deinen Ideen interessiert ist und von sich aus Fragen stellt, solltest du dic Chance nutzen und zeigen was du drauf hast.

Eine weitere Gelegenheit hervorzustechen ergibt sich in Seminaren. Sei aktiv und achte immer darauf, dass du nicht schlaumeierisch rüberkommst. Versuche ausserdem möglichst sachlich-objektiv zu sein und behalte deine Meinung (gerade in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern) lieber für dich.  Denn der Professor könnte anderer Meinung sein, das wäre nicht unbedingt gut für dein Ansehen bei ihm.

3. Hiwi werden

Mit einer Stelle als Hilfswissenschaftler stehst du mit einem Bein im akademischen Betrieb. Du hast Zugang zu den wichtigen Personen an der Fakultät, zu den Informationsquellen und erlebst Forschung und Lehre hautnah.

Halte deine Augen immer auf nach offenen Stellen und bewirb dich gleich an mehreren Lehrstühlen.  Bewirb dich mit guten Noten bei den Professoren, die dich schon persönlich kennengelernt haben und zeige im Vorstellungsgespräch Begeisterung für ihre Forschungsschwerpunkte oder Lehrveranstaltungen.

Hauptstudium

4. Spezialisierung

Im Grundstudium solltest du ein Gefühl dafür bekommen haben, welche Themengebiete dich interessieren und welche nicht. Zum Beispiel könntest du als Politologe ein großes Interesse an politischer Philosophie haben und weniger Interesse an Theorien internationaler Beziehungen. Versuch dann im Hauptstudium soviele Kurse wie möglich in diesem Themengebiet zu belegen. In unserem Politologie-Beispiel wären das Kurse wie “Aristoteles´ Ethik”, “Die politische Philosophie von John Locke” oder “Machttheorien”. So schaffst du dir ein Profil und du wirkst glaubwürdig wenn du dich später um eine Doktoranden-Stelle bewibst, die sich mit diesem Themengebiet befasst und wenn du dich an einer Universität bewirbst, die als besonders stark auf diesem Gebiet gilt.

5. Networking

Ein großes Netzwerk an Professoren hilft dir in vielerlei Hinsicht: du kannst in Gesprächen inhaltlich von ihnen lernen, sie können dir Karrieretipps geben, dich an Kollegen weiterempfehlen, dich für Stipendien vorschlagen, dich zu Konferenzen einladen, wo du deine Arbeit vorstellen kannst und weiter Networking betreiben kannst, und sie können dich im Idealfall auch selbst anstellen.  


6. Summer Schools

In den Semesterferien finden zu fast jedem erdenklichem Thema Summer Schools auf der ganzen Welt statt, die Studenten die Möglichkeit geben sollen, sich in einer Art “Boot Camp” durch Vorträge und Workshops zu einem bestimmten Thema fortzubilden. Viele dieser Summer Schools verfolgen das Ziel bestimmte wissenschaftliche Techniken zu vermitteln, die für spätere Forschungsarbeit, etwa als Doktorand, hilfreich oder gar unerlässlich sind. In vielen Fällen fördern Stipendienstiftungen, der DAAD oder Fakultäten die Teilnahme an Summer Schools oder bezahlen sie ganz - auch die Reisekosten ins Ausland. Deine Professoren werden schon wissen, an wen du dich wenden kannst um die Fördermittel zu beantragen.

Summer Schools sind übrigens die beste Gelegenheit für Networking!

7. Auswahl deiner Doktor-Universität

Mache deinen Doktor an einer international hoch angesehenen Fakultät oder an einem gutem Lehrstuhl. Dies wird dir enorme Vorteile bieten, wenn du später eine Stelle als Dozent oder Professor suchst. Welche Fakultäten international hoch angesehen sind erfährst du in internationalen Fach-Rankings oder einfach indem du deine Professoren dazu befragst. In den USA wird sehr auf die Reputation der Fakultät, an der du deinen Doktor gemacht hast,  geschaut, während in Deutschland (und Europa allgemein) Stellen nicht so sehr über solche Formalitäten vergeben werden, sondern vielmehr über persönliche Kontakte und Empfehlungen laufen. Deshalb ist es in Deutschland wichtiger, dass du einen gut vernetzten und einflussreichen Doktorvater hast, der dir die nötigen Kontakte und Empfehlungen verschaffen kann. Je nach dem ob du also eine akademische Karriere in den USA oder in Europa anstrebst solltest du entweder auf eine in deiner Disziplin hoch angesehene Fakultät gehen oder an einem gut besetzten Lehrstuhl deinen Doktor machen. Beachte, dass die Top-Fakultäten zwar oft aber nicht immer auch an den Top-Universitäten sind. Beispiel: Die University of Illinois liegt in Gesamtrankings weit hinter Elite-Universitäten wie Harvard, Stanford, Yale oder Princeton, jedoch gilt sie in den Politikwissenschaften in der “Public Opinion” - Forschung als absolute Weltspitze. Ein Doktor in diesem Themenfeld von der University of Illinois würde einen guten Job an einer amerikanischen Universität fast garantieren.  

8. Doktorarbeitsthemen

Wähle ein Doktorarbeitsthema zu einem Themengebiet, die gerade “en vogue” ist, nach der es also auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Nachfrage gibt. Durchsuche hierzu Stellenausschreibungen und hör dich auf Konferenzen und in deiner Fakultät um. Beispiele für heiße Forschungsbereiche sind in den Rechtswissenschaften “Law and Economics”, in den Wirtschaftswissenschaften “experimentelle Ökonomik” und in der Anthropologie die Evolutionspsychologie. Innerhalb deines Forschungsbereiches solltest du ein Thema auswählen, bei dem du eine Methode anwendest, die gerade en vogue ist, zum Beispiel wird in der Politologie vermehrt die Netzwerkanalyse angewandt, während in der Volkswirtschaftslehre spieltheoretische Modelle sehr beliebt geworden sind.

9. Mach dir einen Namen

Gib Vorträge und schreibe Artikel in Fachjournals. Sorge somit dafür, dass deine Kollegen über dich reden und deine Interessen kennen. So können sie auf dich zukommen wenn sie dich eines Tages als Redner, Co-Autor oder gar Dozent rekrutieren möchten.  

10. Menschlich gut ankommen

Sei immer respektvoll gegenüber den Theorien und Positionen andersdenkender Kollegen. Leg dich  vor allem nicht öffentlich mit ihnen an. Später, wenn du eine sicher Professorenstelle hast, kannst du all das nachholen.